Blütezeit

Der experimentelle Umgang mit dem fotografischen Porträtakt findet seine Fortsetzung in einer Werkgruppe, die Loredana Nemes 2012 in Ludwigsburg als Artist in Residence in Szene setzt. Die Blütezeit, so der Titel der Serie, ist für Nemes die Zeit zwischen Kindheit und Erwachsensein, doch anders als Kolleginnen wie z. B. Rineke Dijkstra, begreift sie die Darstellung von Jugend nicht als eine solitäre Auseinandersetzung mit ausschließlich der eigenen Identität, sondern setzt den einzelnen in Beziehung zum anderen, zum ersten Freund oder Freundin, zum Geschwisterchen oder zur Clique. In dieser Reihe von Gruppenporträts ist nicht das „Dahinter“ von Bedeutung, sondern das „In between“, der Raum zwischen den einzelnen Akteuren. Dieser Raum entsteht dadurch, dass sie die vor der Kamera versammelten Jugendlichen in kurz hintereinander entstehenden Einzelaufnahmen festhält, die sie dann zu kompositen Tableaus zusammensetzt. In dieser Kamerafahrt allerdings akzentuiert sie die Brüche, die Überlappungen, die Zeitsprünge, die Verschiebungen des Ausdrucks. Die „Best Friends Forever“ sind ebenso intensive wie brüchige Geflechte, sie helfen dabei groß zu werden und gehen doch wieder auseinander. Und Loredana Nemes‘ sequenzhafte Konstellationen erlauben beides, die emotionale Intensität von Beziehung festzuhalten, aber auch eine Idee des individuellen Übergangs zu geben, der in jedem einzelnen ihrer jugendlichen Modellen steckt, auch wenn dies nur in den kleinen changierenden Details zum Ausdruck kommt.

Florian Ebner, „Membran, Fragment, Bühne“, 2016